Warum Nokias Pleite Startups fördert. Interview mit Lars Ingerslev vom Employee Advocacy Tool Smarp.

Eine immer höhere Zahl von Social Media Nutzern, sinkende Reichweiten von Unternehmensseiten, schwindendes Vertrauen und Toleranz von direkter Werbung… Derzeit gibt es viele Gründe auf Employee Advocacy zu setzen. In unserem letzten Artikel haben wir die Grundlagen von Employee Advocacy erklärt. In diesem Artikel sprechen wir mit Lars Ingerslev, Vice President International Sales & Business Development bei Smarp, einer marktführenden Softwarelösung um Employee Advocacy im Unternehmen zu institutionalisieren. Was uns an Smarp gut gefällt: Sehr einfache Bedienbarkeit, Messbarkeit aller Aktivitäten der Mitarbeiter, Nutzbarkeit als internes Magazin / Newsfeed und Konformität mit Anforderungen von Datenschutz und Betriebsrat. Mit Lars sprechen wir über spannende Startups, die internationale Verbreitung von Employee Advocacy, die Zukunft von Smarp und warum die Pleite von Nokia auch etwas Gutes hatte. Als Bonus gibt uns Lars noch ein paar Tipps, wie man am besten mit Employee Advocacy startet.

Lars, in deinen eigenen Worten: Was ist die Vision von Smarp?

Smarp möchte der primäre Ort sein, an dem Mitarbeiter eines Unternehmens professionelle Inhalte finden und teilen. Um das zu erreichen, haben wir einen internen Content Hub geschaffen, der den richtigen Inhalt zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Mitarbeiter bringt.

Wie bist du dahin gekommen, wo du heute bist und was ist dein hauptsächlicher Fokus bei Smarp?

Bevor ich im April 2015 zu Smarp kam, habe ich mehr als zehn Jahre in leitenden Positionen im Bereich Online Recruiting und Social Media verbracht. Unter anderem war ich bei MatchWork, Monster und LinkedIn tätig. Zu Smarp bin ich gekommen, weil ich daran glaube, dass interne Wissensvermittlung, Employee Advocacy und Employee Engagement der Schlüssel für den Erfolg einer Organisation in den Bereichen Mitarbeiterbindung, Employer Branding, Business Development und Sales sind.

Warum ist Employee Advocacy im Moment so wichtig für viele Unternehmen?

Unternehmen stehen heute vor drei wesentlichen Herausforderungen, die Smarp adressiert:

Kommunikation: Die interne Kommunikation basiert meist noch auf Intranet und E-Mail. Dadurch verpassen viele Mitarbeiter wichtige Informationen. Andere sind komplett vom Informationsfluss abgeschnitten und sind nicht in der Lage ihr Wissen weiterzugeben. Allgemein ist die Kommunikation zu sehr Top-Down ausgerichtet. Smarp hilft Mitarbeitern dabei Content zu kuratieren und nach individuellen Interessen auszuwählen, um so für den einzelnen Mitarbeiter den größten Nutzen zu schaffen.

Engagement: Lediglich 13% der Arbeitnehmer weltweit sind engagiert in ihrem beruflichen Alltag. Informierte Kollegen zeigen ein deutlich höheres Engagement. Mit Smarp können Mitarbeiter relevante Inhalte von anderen Mitarbeitern konsumieren und gleichzeitig die wesentlichen Inhalte der gesamten Organisation mitbekommen.

Markenaufbau: Das Vertrauen in Marken und Unternehmen ist auf einem Tiefpunkt. Mitarbeiter sind jedoch eine unerschöpfliche Ressource an Authentizität und Vertrauenswürdigkeit. Deren Netzwerke zu nutzen ist die Kernkompetenz von Smarp. Smarp bricht Wissenssilos auf und trägt zu einer gut informierten Belegschaft bei. Kundige Mitarbeiter tragen das Potenzial in sich auch unternehmensextern als Markenbotschafter für das Unternehmen aufzutreten.

Wie verbreitet ist Employee Advocacy auf einem internationalen Level? In welchen Ländern wird Employee Advocacy bereits stark genutzt und in welchen Ländern siehst du noch ein großes Wachstumspotential?

Wir beobachten im Moment ein starkes Wachstum von Employee Advocacy in allen Ländern. In Europa sehen wir Länder wie Finnland (Smarp‘s Heimatland), Dänemark, Schweden, Frankreich, Schweiz, Niederlande, Großbritannien und auch zunehmend Deutschland als führend an.
Die USA und Kanada sind zweifelsohne die reifsten Märkte. Auch in Asien bemerken wir gerade eine zunehmende Nachfrage.

Welche Branchen eignen sich in besonderem Maße für Employee Advocacy?

Ich denke die Frage ist falsch gestellt, da Unternehmen aller Branchen besser bei der internen Kommunikation, dem Mitarbeiterengagement und dem Markenaufbau werden müssen. Wir haben tolle Beispiele aus der Baubranche, im Banking, Chemie, Management und IT Consulting aber natürlich auch Recruitment Services und Softwareentwicklung.

Die Frage ist eher wie Smarp einer Organisation, abhängig von ihrer Größe, helfen kann. Für Unternehmen mit um die 1.000 Mitarbeitern haben wir tolle Cases, wie Smarp, neben den weiteren Employee Advocacy Kernfunktionen, das traditionelle Intranet abgelöst hat.

Größere Organisationen können einen noch höheren Nutzen durch Smarp erzielen, indem Sie ihre Inhalte effizienter als bisher an die jeweiligen Mitarbeiter verteilen und dabei keine Rücksicht auf Ländergrenzen, Sprachen oder Geschäftsbereiche nehmen müssen. Das kann enorm viel Zeit sparen und die Anzahl interner E-Mails reduzieren und somit enorme Auswirkungen auf die Produktivität haben.

Welche Startups schaust du dir im Moment an? Welche Startups sind eine Inspiration für Smarp?

Weltweit aber auch in den Nordics gibt es derzeit extrem viele spannende Startups. Ich schaue immer genau auf die Führungsmannschaft des jeweiligen Startups, da ich glaube, dass Führung erfolgsentscheidend ist, egal wie gut ein Produkt ist. Startups die ich mir derzeit genau anschaue sind Mulesoft (US Unicorn), Zendesk (DK), Paradox (SE) und Naava (FI), aber auch Unternehmen wie Storytel (SE) und iZettle (SE – kürzlich von PayPal gekauft).

Was denkst du über die aktuelle Startup-Szene in Finnland und Europa

In einem Startup zu arbeiten ist heute viel attraktiver als noch vor 10 Jahren. Dadurch können Startups mehr Talente einstellen und Großes erreichen. Finnland und insbesondere Helsinki sind nach dem Niedergang von Nokia durch eine starke Phase der Transformation gegangen und hat dadurch mittlerweile eine spannende Startup-Szene voller kompetenter und talentierter Kollegen.

Wo geht die Reise hin für Smarp?

Wir arbeiten in einem extrem dynamischen Umfeld, von daher ist es schwer die Zukunft vorherzusagen. Was man aber sagen kann ist, dass wir innerhalb der letzten drei Jahre von 15 auf 70 Mitarbeiter gewachsen sind. Wir haben gerade in einer Serie-A-Finanzierungsrunde 4,2 Millionen € von VC Nauta Capital aufgenommen und werden damit weitere Mitarbeiter in unserer Zentrale in Helsinki sowie in Stockholm und London aufbauen. Gemeinsam werden wir weiter daran arbeiten die zu Anfang genannte Vision zu verwirklichen: DER primäre Ort sein, an dem Mitarbeiter eines Unternehmens professionelle Inhalte finden und teilen.

Letzte Frage: Was sind deine besten drei Tipps, wenn ein Unternehmen mit Employee Advocacy durchstarten möchte?

Da kann ich dir sogar ein paar mehr Tipps liefern 😊. In dem diesem Blogbeitrag (Englisch), listen wir sechs Schritte zu einem effektiven Employee Advocacy Programm auf.

Am wichtigsten: Achtet darauf die Mitarbeiter immer an die erste Stelle zu rücken und fokussiert euch auf das „Warum“ und nicht auf das „Was“.

 

Vielen Dank für das spannende Interview, Lars!